Season Opening – Die kompakte Saisonvorschau 26/27 – Das XXL-Interview mit Handballabteilungsleiter Eric Dierkes

Veröffentlicht am 17.07.2026

Tradition verpflichtet und darum auch im Sommer 2026 wieder das große Handball-Season Opening rechts- wie linksrheinisch.

Aus der Saisonvorschau wird Season Opening. Was sich ändert? Nix !

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Lese jetzt den Klassiker – kompetent, unerreicht – und manchmal auch nicht komplett ernst gemeint!

Mit Berichten, Infos, Interviews, Kadern und (vielleicht auch) Bildern zu den Teams der TSV & Friends.

Season Opening – Die kompakte Saisonvorschau 26/27

Zum Start der Serie:

Das XXL-Interview mit Handballabteilungsleiter Eric Dierkes

Eric

Hallo Eric! Höchste Zeit, dass wir reden. Deine 100-Tage-Frist ist lange vorbei. Wie hast Du die ersten Monate Deiner unbefristeten Legislatur empfunden? 

Fast wie erwartet. Das liegt sicher auch daran, dass ich ja schon vorher immer irgendwie im Umfeld unterwegs war und nicht völlig neu in die Abteilung gekommen bin. Außerdem hat mich mein Vorgänger und jetziger Spannmann Rudi super abgeholt. Insgesamt habe ich eine sehr aufgeräumte Abteilung übergeben bekommen, das macht den Einstieg natürlich deutlich einfacher. 

Wie siehst Du Deine Aufgabe insgesamt als „Handball CEO rrh.“? Wo liegen Deine Schwerpunkte? 

Ich glaube, auf OMR-Bühnen würde man das „Servant Leadership“ nennen. Klingt für unseren Kontext etwas schief, trifft es aber im Kern ganz gut. Ich sehe meine Aufgabe vor allem darin, Rahmenbedingungen zu schaffen: genug Menschen zu finden, sie machen zu lassen und ihnen den Rücken freizuhalten. Im Idealfall können sich Trainerinnen, Trainer und Verantwortliche auf das konzentrieren, was sie am besten können – zum Beispiel auf den sportlichen Bereich. Und wenn irgendwo Hindernisse im Weg stehen, muss ich helfen, sie aus dem Weg zu räumen. 

Darüber hinaus habe ich ein paar Ideen, die ich gerne Schritt für Schritt angehen möchte.

Brennt es irgendwo in Handball-Bonn allgemein oder gar speziell in der TSV? 

Brennen wäre übertrieben, aber natürlich gibt es Baustellen. Eigentlich könnte ich hier Rudis Satz aus dem letzten Jahr fast kopieren: Wir brauchen mehr Unterstützung im Damenbereich. Insbesondere fehlt uns eine (gerne ambitionierte) Damenwartin oder ein Damenwart. 

„Damenwartin oder Damenwart gesucht!“

Stell doch mal kompakt Deine Führungscrew unterhalb des Abteilungsleiters vor. 

An erster Stelle steht mein Stellvertreter Rudi, der mir immer noch wahnsinnig viel abnimmt und sich vor allem um Finanzen und IT kümmert. Dann kommen meine beiden „Mädchen für alles“, Flo und Peter, die vermutlich beide nicht wollen, dass ich hier mehr zu ihnen schreibe. Maja und Carina haben mich zuletzt außerhalb ihrer eigentlichen Aufgaben stark als Interims-Damenwarte unterstützt und haben im weiblichen Bereich auch sonst vieles im Griff. Fischi kümmert sich konstant und zuverlässig um die Männer, Anja ist unsere Chefin des Verbandswesens. Und dann haben wir noch unsere Männer für Spezialaufgaben: André für die Schiedsrichter und Luca für unsere immer größere Landschaft an Unterstützern. 

Um ein trauriges Thema kommen wir leider nicht herum. Gerd Flory ist Pfingsten überraschend gestorben, der für die TSV-Handballabteilung so etwas wie der ewige „Patron“ war. Wie groß ist die Lücke, die er hinterlässt? 

Die Lücke ist riesig. Um die Leere nach Pfingsten etwas zu füllen, haben wir uns ja schon viele Anekdoten von und mit Gerd erzählt. Eine ist zuletzt noch dazugekommen: Gerd hat zu seiner Zeit als Abteilungsleiter einzelne Spieler auch mal aus eigener Tasche unterstützt. Einer davon war Christian Ridder, der während seiner Studentenzeit bei uns in der Oberliga gespielt hat und später berufsbedingt zurück nach Essen musste. Für das Pendeln gab es von Gerd etwas Spritgeld. 

Nachdem Christian von Gerds Tod erfahren hatte, hat er mich angerufen und gefragt, wie er das Geld am besten in unsere Jugend zurückspenden kann – „So, wie Gerd es gemacht hätte“. Das zeigt ziemlich gut, was Gerd transportiert hat: für den Verein, für die Jugend, geben und nehmen. Und das auch an Menschen, die nicht direkt bei uns groß geworden sind. Mal davon abgesehen, dass Gerds (blau-weiß) und Christians (schwarz-gelb) fußballerische Farben auch nicht viel weiter hätten auseinander liegen könnten.

Auch wenn es etwas pathetisch klingt: Diesen Geist nicht zu verlieren, ist die schwerste Aufgabe, die Gerd uns hinterlassen hat. 

„In Gerds Sinne weiter agieren!“

Eine Idee wäre, den ersten TSV-Heimspieltag der Saison Gerd zu widmen. Kann man dazu schon etwas mehr verraten? 

Ich würde sagen: Wir machen das. Wie genau, müssen wir noch herausfinden. Sobald es konkreter wird, geben wir euch Bescheid. Und wenn sich jemand dazu berufen fühlt, uns dabei zu unterstützen: sehr gerne melden. 

Stichwort Highlight: Deine öffentliche Amtseinführung war ja im Grunde der Tag des Bonner Handballs. Wie hast Du diesen besonderen Tag im November 25 erlebt? 

Ich glaube, ich werde diesen Tag immer mit dem Titel deiner Nachberichterstattung verbinden: surreal. Ich kam mir vor, als würde ich in die Halle eines ambitionierten Zweitligisten kommen. Ehrlich gesagt hätte ich vorher nicht gedacht, dass wir so etwas auf die Beine stellen können. Da scheine ich in der Entwicklung der Abteilung dann doch ein bisschen was verpasst zu haben. Noch einmal vielen Dank an alle, die das möglich gemacht haben. 

Wiederholens Wert? 

Bestimmt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das nur möglich war, weil bestimmte Personen über ihr Limit gegangen sind. Noch einmal vielen Dank an Luca in die Burggrafenstraße. Wenn wir so etwas regelmäßiger machen wollen, brauchen wir mehr Unterstützung. Und die haben wir aktuell nicht. Aber jetzt haben wir ja die Idee eines „Tags des Bonner Handballs LIGHT“ ins Auge gefasst. Wenn es dazu mehr zu berichten gibt, erfahrt ihr es hier vermutlich als Erste. 

Schwenk zum sportlichen Geschehen. Du hast zwei Kinder im Handball-Einstiegsalter. Wie ist Dein Blick auf die Basis bis inklusive hoch zur D-Jugend? 

Ich habe es zum Ende der letzten Saison schon einmal gesagt: Nach den Erfolgen, die wir inzwischen fast als selbstverständlich hinnehmen, hätten wir uns zu meiner Anfangszeit die Finger geleckt. Ich glaube, man könnte in der Ausbildung an der einen oder anderen Stelle noch etwas innovativer werden. Aber auch das braucht wieder mehr Unterstützer. Und wir machen das auch so schon sehr gut. 

Ein Schritt weiter sind wir dann schon bei der Bonner JSG. Ist die weibliche Erweiterung der JSG gelungen? 

Ein deutliches Jein. Es gibt erste Erfolge, was aus meiner Sicht vor allem auch an den sehr guten Trainern liegt. Aber drumherum müssen die Stammvereine noch mehr tun, wenn wir auf das Niveau der Jungs kommen wollen. Ich wiederhole mich da gerne: Wir brauchen mehr Unterstützung. 

Wie dramatisch bewertest Du es, dass es nach drei Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit in Folge diesmal kein Team in die höchste Jugendklasse geschafft hat? 

Gar nicht dramatisch. Natürlich ist das nicht optimal. Aber meinen Senf dazu gebe ich erst dann ab, wenn so etwas mehrere Jahre hintereinander passiert oder jemand aus dem Kreis der Verantwortlichen mich danach fragt. Bis dahin vertraue ich der Truppe rund um Flo, Julius und die Schöneseiffens. 

Siehst Du die Gefahr, dass Bonn zukünftig neben den Leistungszentren Gummersbach und Dormagen auch noch dauerhaft die Konkurrenz aus Köln fürchten muss? 

Ja, schon. In Köln werden professionelle Strukturen aufgebaut, unter anderem mit Hauptamtlichen. Grundsätzlich halte ich Köln auch für einen Handballstandort mit viel Potenzial. Gleichzeitig ist es gefühlt auch das x-te Projekt dieser Art in der Stadt. Also erstmal abwarten. 

Trotzdem müssen wir aus meiner Sicht am Ball bleiben und verstärkt über Professionalisierung nachdenken. Diese Meinung teilen auch einige meiner Mitstreiter in der JSG. 

Wechsel zu den Frauen. Nach einem Umbruch haben sich die Frauen I im letzten Regionalliga-Spieljahr erfreulich positiv entwickelt. Der Kern der Mannschaft ist geblieben und der Kader wird talentiert ergänzt. Was erwartest Du? 

Zu sportlichen Zielen werde ich mich nicht äußern, da übergebe ich gerne an die Trainerin. Aber ich fand die vergangene Saison, gerade wegen der schwierigen Vorzeichen vor Beginn, ziemlich erfreulich. Ich fände es schön, wenn es so weitergeht und wir Stück für Stück, dann auch langfristig, wieder mehr eigene Spielerinnen in den Kader einbauen können. 

„Zu sportlichen Zielen werde ich mich nicht äußern.“

Überhaupt scheinen die drei Frauenteams einen stetigen Zulauf zu haben und sehr stabil zu sein. Liegt das möglicherweise an der bemerkenswerten Kontinuität? 

Das weiß ich nicht genau. Wenn, dann liegt es eher an kontinuierlich guter Arbeit. Dazu kommen die Vorteile unseres Vereins: gute Lage, gute Atmosphäre, gute Menschen. 

Ich glaube, Pascal passt da sehr gut rein. Ich bin froh, dass er sich der Aufgabe bei den Frauen II annimmt. 

Stichwort Kontinuität auf der Trainerbank. Benninghoff-Lühl, Diergarten und Funder. Bei den Leistungsteams der Männer gibt es keinerlei Veränderung. Zahlt die TSV Traumgehälter? 

Ich hoffe nicht. Aber wie bei der Berufswahl ist das Finanzielle eben nur ein Teil der Antwort. Dazu kommen Entwicklungsmöglichkeiten, Atmosphäre im Verein und vieles mehr. Was genau es bei den Genannten ist, weiß vielleicht Fischi besser, der führt ja die Gespräche. Ich bin jedenfalls sehr glücklich darüber und hoffe, dass das noch länger so bleibt. 

Beim aktiven Personal der Ersten gibt es dagegen einen ziemlich brachialen Umbruch. Mit Fischi, Timo, René und Hoffi geht ein leistungsstarkes Quartett, das sehr jung und frisch ersetzt wird. Bist Du deswegen in Sorge? 

Auch hier gilt: Die Bewertung der sportlichen Ambitionen sehe ich nur bedingt als meine Aufgabe. Aber Flo hat mir in den letzten Gesprächen zumindest etwas die Sorge genommen. Wir haben ja auch ein paar Zugänge auf der Haben-Seite. 

Ein Satz zur Dritten als Verbandsliga-Aufsteiger? Eigentlich ja der Wahnsinn, oder? 

Absolut. Das ist immerhin die Liga, in der wir zu Beginn meiner aktiven Zeit mal mehr, mal weniger souverän den Klassenerhalt geschafft haben. Ich finde, man erkennt auch hier wieder den Dreiklang aus sich auszahlender Jugendarbeit, einem guten Vereinsgefühl und Trainern an der richtigen Stelle. 

„Die Dritte als guter TSV-Dreiklang aus Jeföhl, Chemie und sportlicher Realität.“

Zurück zum großen Ganzen. Wo siehst Du Defizite in der Abteilung? Was möchtest Du kurzfristig anpacken? 

An der einen oder anderen Stelle ist es vermutlich schon durchgeklungen: Unser Verein hängt immer sehr an fähigen Menschen, die sehr viel opfern. Gerd, Anja, Peter, Florian, früher David – solche Menschen tragen unfassbar viel. Ich frage mich, wie wir zurechtkommen, wenn wir irgendwann mal nicht mindestens eine solche Person in unseren Reihen haben. 

Ich glaube, wir brauchen einfach noch mehr Unterstützung und dafür müssen wir Lösungen finden. Ein plakatives Beispiel: Warum sollte man einem Materialwart nicht auch eine Art Übungsleiterpauschale zahlen? 

Das Problem gibt es übrigens genauso in der JSG. Dort ist es Bernd Binnenbruck vom PHV, der sehr viel trägt. Wir fangen gerade an, uns einen rechtlichen Rahmen zu erarbeiten, in dem Hauptamtlichkeit zumindest möglich wird. Da unterstütze ich aktuell Bernd und Stephan Weber vom GTV. 

Kurzer Schwenk zum Sommerloch-Füller 2026, nämlich dem dritten krachenden Scheitern der deutschen Fußballnationalmannschaft bei einer WM in Serie. Was sollten die peinlichen Kicker vom Handball lernen? 

Bei so etwas wäre ich vorsichtig. Gehen wir mal zwei Jahre zurück: Der VAR macht das, was er soll, und bestraft Handspiele im Strafraum mit Elfmetern. Und Dika Mem wirft den Ball einfach auf die Tribüne, anstatt zu Julian Köster. Dann stellst du mir die Frage vermutlich heute noch andersherum. 

Ich hadere eher mit uns als Sportnation insgesamt. Dieses Warten auf den ersten Fehler eines fünfmaligen Welttorhüters, „Noch“-Aussagen von zukünftigen Bundestrainern und Diskussionen über zu viele Friseurbesuche gehen mir tierisch auf den Keks. Ich glaube, so etwas spüren Sportler. Wir brauchen einfach mehr positive Stimmung, von ganz oben bis ganz unten. Aber das ist eher ein Thema für laue Heimspielabende. 

„Fußball Bashing? Quiet, please!“

Auch Du hast natürlich drei Wünsche beim Handballgott für die TSV/JSG-Saison 2026/2027 frei? 

Eigentlich habe ich nur einen: viele gemeinsame Momente in einer einladenden Ringarena.

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Eric, vielen Dank für das fluffige und informative Interview. Mögen noch viele folgen. Wir wünschen Dir ein maximal gutes Händchen bei Deiner Führungsaufgabe!